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Ich hatte bereits am Anfang des Adventskalenders bereits eine Geschichte von Gina Ruck-Pauquet veröffentlicht, die ich schon lange in meiner Sammlung hatte.

Jetzt dachte ich mir, dass sie ja vielleicht noch mehr Kurzgeschichten geschrieben hat und bin in den Buchhandel gegangen – eine meiner Lieblingsbeschäftigungen :-) und tatsächlich hatten sie sogar eines da.

Ich habe mir eine ruhige Ecke gesucht – was nicht wirklich einfach war in all dem Weihnachtstrouble und angefangen zu lesen… eine bezaubernde Kurzgeschichte nach der anderen! Es war klar, dass das Buch einen neuen Besitzer gefunden hat. Dieses Buch ist wirklich jedem zu empfehlen, der Kurzgeschichten mag, Kinder hat… : Sandmännchens Geschichtenbuch von Gina Ruck-Pauquet.

Als kleine Einstimmung, habe ich eine dieser Kurzgeschichten für euch ausgesucht:

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Der kleine Zauberer zaubert die ganze Welt

Hinter den Bergen, bei den blauen Tannen, dort, wo die struppigen Raben ihre Rabenlieder krächzen, lebt der große Zauberer. Er wohnt im Wipfel eines uralten Baumes, und wenn es regnet, zaubert er sich ein Haus. Er braucht nur “Hokuspokus Simsalabim” zu sagen. So einfach ist das.

“Hör zu”, sprach der große Zauberer eines Tages zum kleinen Zauberer, der sein Lehrling war. “Ich habe dir neunundneunzig mondhelle Nächte lang alles beigebracht, was ich wußte. Nun gehe in die Welt hinaus und zeige, was du kannst.”

Da schnürte der kleine Zauberer sein Bündel. Den Zauberstab packte er ein, ein Paar warme Socken und eine handvoll kluger Gedanken.

“Doch bevor du gehst, will ich dich noch einmal prüfen”, fuhr der große Zauberer fort. “Hier vor meinen Augen sollst du eine Sonnenblume wachsen lassen. Eine Große, zu der man emporschauen kann, und an der man sich freut, wenn der Himmel grau ist.”

“Wenn es weiter nichts ist”, sagte der kleine Zauberer,”Hokuspokus Simsalabum!”

Aber weil das nicht stimmte, wuchs nun auch nicht etwa eine Sonnenblume, sondern ein winziges Gänseblümchen hob sein Gesicht aus dem Gras. Da schüttelte der große Zauberer  so sehr den Kopf, dass ein Sturm aufkam und die Bäume sich bogen.

“Abrakadabra”, sprach er, “du musst noch vieles lernen. Aber nun geh!”

Und er warf ihm drei Rabenfedern nach. Die sollten ihm Glück bringen. So machte sich der kleine Zauberer auf den Weg.

“Hokuspokus Vielerlei”, sag er vor sich hin. “Endlich, endlich bin ich frei.”

“Wer bist du?” fragten ihn die Tiere und kamen neugierig näher.

“Ich bin ein Zauberer”, antwortete er, und er stellte sich auf die Zehenspitzen, damit er ein bisschen größer aussah.

“Oh”, sagte der Hase, “kannst du mir bitte eine Mohrrübe zaubern?”

“Das wäre eine Kleinigkeit”, entgegnete der kleine Zauberer. “Aber mein erster Zauber soll etwas Besonderes sein.”

“Vielleicht ein paar Löwenzahnblättchen?” meinte das Reh. “Süß, wie der Regen im Sommer?” Und das Eichhörnchen wollte goldene Nüsse.

Doch der kleine Zauberer war nciht einverstanden.

“Nein”, meinte er. “Ich werde etwas zaubern, das größer ist als alle eure Wünsche. Ich zaubere euch die ganze Welt!”

“Die Welt?” stammelte der Igel. “Aber die ist doch schon da!”

“So?” fragte der kleine Zauberer. “Dann macht mal eure Augen zu.”

Da schlossen die Tiere ihre Augen.

“Alles ist fort!” riefen sie. “Die Bäume, die Sträucher, der Bach und der Himmel mit seinen himbeerroten Wölkchen!”

“Seht ihr”, sprach der kleine Zauberer, und er hob die Stimme, “Hokuspokus Simsalabim! Und jetzt”, fügte er hinzu, “dürft ihr die Augen wieder öffnen!”

Da schlugen die Tiere die Augen auf.

“Oh”, staunten sie, “die Welt ist wieder da! Der kleine Zauberer hat die ganze Welt gezaubert und alles sieht viel Schöner aus als vorher!”

Und sie waren so glücklich wie schon lange nicht mehr.

Gina Ruck-Pauquet

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