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Entschuldigt, das ich mich heute erst so spät melde, aber an manchen Tagen geht eben alles drunter und drüber und man muss einige Sachen auf später verschieben.

Nichtsdestotrotz möchte ich euch die für heute geplante Geschichte natürlich nicht vorenthalten, denn ich habe sie bereits seit langem vorbereitet. Es ist eine Geschichte aus dem Buch Schnüpperle – Vierundzwanzig Geschichten zur Weihnachtszeit

Die Geschichten erzählen die Vorfreude auf Weihnachten aus der Sicht des 5-jährigen Schnüpperle und wie sehr er sich auf Weihnachten freut. Es ist nur zu empfehlen für alle, mit Kindern zu Hause, oder selbst noch Kind geblieben!

Hier ist sie, meine Lieblingsgeschichte:

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Mutter ist einkaufen gegangen. Schnüpperle steht auf einem Stuhl am Fenster und sieht auf die Terrasse hinunter. Unten an der Hauswand lehnt der Christbaum. Schnüpperle kann sich gar nicht satt daran sehen.

“Warum kommt denn Susanne immer noch nicht raus”, sagt Schnüpperle vor sich hin. “Ich möchte ihr doch so gerne unseren Christbaum zeigen. Olle Schlafmütze.”

Da läutet es an der Haustür. Schnüpperle rennt die Treppe hinunter und ruft ganz lauf durch den Briefkastenschlitz: “Mutter, bist du’s?”

“Nein,” sagte eine fremde Stimme, “ich bin…”

“Ich darf nicht aufmachen”, ruft Schnüpperle, “weil ich allein bin und du ein Einbrecher bis.”

“Ich bin kein Einbrecher. Ich bin der Bauer Hoppe.”

“Ich darf aber nicht aufmachen, weil Mutter einkaufen gegangen ist und weil Einbrecher immer Ausreden haben und was anderes sagen, und dann sind sie schon drin.”

“Ich hab keine Ausreden.” sagt der Mann draußen, “ich bring euch bloß die Weihnachtsgans, die euer Vater bestellt hat.”

“Eine Gans?” fragt Schnüpperle. “Eine richtige Gans?”

“Ja, was denn sonst!”

“O fein, lass sie mal schnattern!” Schnüpperle hebt mit der Hand den Briefkastenschlitz hoch.

“Oje, oje!” Der Mann da draußen seufzt.

“Ich hör noch gar nichts”, ruft Schnüpperle. “Will sie nicht?”

“Sie kann nicht.”

“Warum kann sie nicht? Ist sie krank?”

Der Mann vor der Tür fängt an zu lachen. “Die ist nicht krank,” sagt er.

“Dann lass sie mal durch den Briefschlitz gucken!”

“Geht nicht. Sie ist eingepackt.”

“Siehste, du bist doch ein Einbrecher! Du hast Ausreden und willst bloß rein.”

“Junge!” kommt’s von draußen. “Ich will doch nur die Gans los werden.”

“Hast du auch bestimmt eine?”

“Ja doch!”

“Ich guck jetzt mal durchs Schlüsselloch”, sagt Schnüpperle, “und wenn ich sie sehe, mach ich vielleicht auf, und wenn ich sie nicht sehe, kommt’s nicht in Frage.”

Schnüpperle hört Papier rascheln. “Ihren Schnabel seh ich schon, zeig mehr! Du, die hat ja einen verbundenen Kopf! Jetzt weiß ich, warum sie nicht geschnattert hat. – Du, du dort draußen, die ist ja ganz nackt! So eine hat Vater bestimmt nicht bestellt. Wir wollen doch eine mit Federn.”

Der Mann vor der Tür lacht so sehr, dass er eine Weile nicht mehr sprechen kann. “Nein,” sagt er dann, “dein Vater hat eine ohne Federn bestellt.”

“Hatte sie zuerst mal welche?”

“Ja, früher.”

“Hast du sie abrasiert?!

“Abrasiert nicht gerade.”

“Wie hast du’s denn dann gemacht?”

“Ich hab die Gans gerupft!”

“Gerupft?” fragt Schnüpperle. “Alle Federn rausgerupft? Da muss sie doch sehr geschrien haben, nicht? Ich hab Annerose mal an den Haaren gerupft und da hat Annerose auch ganz furchtbar geschrien.”

“Die Gans hat aber nicht geschrien.”

“Nein? Warum nicht?”

“Weil ich sie vorher geschlachtet habe und dann habe ich sie erst gerupft, damit ihr zu Weihnachten einen ordentlichen Gänsebraten essen könnt. Machst du mir jetzt auf?”

“Nein!” ruft Schnüpperle und gleich noch einmal: “Nein! So einem wie dir mach ich überhaupt nicht auf.”

“Gut,” sagt Bauer hoppe, “dann leg ich die Gans eben vor eure Haustür, und wenn ich fortgegangen bin, holst du sie rein. Hast du mich verstanden?”

“Nein, ich hab’s nicht verstanden, kein Wort! Und ich hol sie auch nicht rein!”

Schnüpperle hört Schritte und dann sagt Bauer Hoppe: “Ach, da kommt ja die Mama. Na, jetzt werd ich den Vogel wohl  doch noch los.”

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Nur noch einmal schlafen …. !

Schlaft gut!

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